AIMP wird zwanzig: lokaler Musikplayer mit ernsthafter Klangtechnik
Zusammenfassung
AIMP wird 2026 zwanzig Jahre alt. Kleines Team, schlichte Oberflaeche, tiefer Klangmotor: eigene Equalizer-Presets je Ausgabegeraet, ReplayGain, BPM-Erkennung, Cue-Sheets, Stapelbearbeitung von Tags und ein eingebauter Konverter. Die stabile Fassung 5.40 laeuft weiter unter Windows, die naechste Hauptversion bringt natives Linux und ARM.
Empfehlen- Name
- AIMP
- Version
- 5.40.2727
- Preis
- Kostenlos
- Open Source
- Proprietär
- Betriebssystem
- WindowsAndroid
- Webseite
- https://www.aimp.ru/
- Aktualisiert
- 2026-10-06 20:48
Zwanzig Jahre am selben Platz
AIMP wird seit 2006 entwickelt, 2026 also zwanzig Jahre alt. Hinter dem Projekt steht ein sehr kleines Team und kein Unternehmen mit Marketingabteilung, und die Prioritaeten verraten es: schlichte Oberflaeche, sehr tiefe Einstellungen, und ein Speicherbedarf, der auch bei einer Bibliothek mit zehntausenden Titeln bescheiden bleibt. In einer Zeit, in der die meisten Player zu Streaming-Clients geworden sind und lokales Abspielen nur noch als Zusatz mitlaeuft, ist dieser hier zuerst ein lokaler Player.
Von der Skin-Engine erzaehlen langjaehrige Nutzer zuerst. Layouts lassen sich umbauen, Fenster umformen, Farben tauschen, und weil das Format offen dokumentiert ist, gibt es mehr Vorlagen als jemand braucht. Nichts davon ist zum Abspielen noetig, und genau darum geht es.
Fuer Neue ist das angenehm unspektakulaer. Man oeffnet eine Datei, sie spielt, und die vielen Optionen bleiben so lange unsichtbar, wie man sie nicht braucht. Wer tiefer einsteigen will, findet die Einstellungen an einer Stelle versammelt statt ueber Menues verstreut. Ein Programm, das man nach zehn Jahren Bedienung nicht neu lernen muss, ist selten geworden.
Der Klangmotor ist der Grund zu bleiben
Ein Equalizer mit vielen Baendern ist eingebaut, und jedes Ausgabegeraet merkt sich seine eigene Einstellung. Laptoplautsprecher, ein USB-Interface und ein Kopfhoerer behalten jeweils ihre Kurve, ein Wechsel bedeutet also nicht jedes Mal neu einstellen. Ein- und Ausblenden laesst sich an den Titelrand legen, ReplayGain gleicht die Lautheit eines aus verschiedenen Quellen zusammengesetzten Albums an, und die BPM-Erkennung fuellt das Tempo-Feld, das in vielen Tanz- und Elektroniksammlungen nie gefuellt wurde.
Neben dem Equalizer liegt eine Reihe von Effekten, von Hall bis zu einem einfachen Kompressor, wer sie braucht, schaltet sie zu. Der mitgelieferte Konverter liest und schreibt die gaengigen verlustbehafteten und verlustfreien Formate und kann Tonspuren direkt von einer Audio-CD holen, ein Regal voller Scheiben wird also ohne zweites Programm zu Dateien.
Auch die alten Feinheiten sind da. Cue-Sheets werden als ein Album mit sauberen Titelgrenzen gelesen und nicht als eine lange Datei, Internetradio laesst sich als Favorit ablegen, und Podcast-Feeds kann man im Player abonnieren. Neu ist davon nichts, und das ist der Reiz: Es laeuft seit Jahren.
Bibliothek, Tags und Listen
Die Bibliothek ordnet Titel in einem Baum nach Interpret, Album, Genre oder Jahr, zeigt Covervorschauen, und intelligente Listen filtern bei jeder Aenderung der Bibliothek neu, sodass eine Sammlung der in diesem Monat hinzugefuegten Titel ohne Pflege stimmt. Das Bearbeiten von Listen laesst sich rueckgaengig machen, ein falsches Ziehen ist also kein Unglueck, und Lesezeichen lassen sich sortieren und pro Datei speichern, was bei langen Aufnahmen und Hoerbuechern hilft, wo die Stelle wichtiger ist als der Titel.
Der erste Durchlauf durch eine grosse Sammlung dauert seine Zeit, danach kommen neue Dateien von selbst dazu. Fehlt ein Cover, laesst es sich von Hand nachtragen, statt eine leere Flaeche zu behalten.
Der Tag-Editor geht deutlich ueber das Abspielen hinaus. Titel, Interpret, Albumname und Titelnummer lassen sich fuer eine ganze Auswahl neu schreiben, Dateien nach ihren Tags mit einem Muster umbenennen, BPM und ReplayGain auf mehreren Threads neu berechnen. Makros verketten diese Schritte, und so ist eine Sammlung mit ein paar tausend schlecht getaggten Dateien an einem Abend aufgeraeumt statt in einem Monat.
Fassungen und ein Plattformwechsel
Die aktuelle stabile Fassung ist 5.40.2727 vom 8. September 2026, und sie laeuft weiterhin ab Windows Vista aufwaerts. Eine Android-Fassung mit der Nummer 4.31 wird parallel gepflegt, Telefon und Rechner entfernen sich also nicht voneinander.
Interessanter ist die oeffentliche Beta der naechsten Hauptversion. Sie ist der erste wirklich plattformuebergreifende Bau, laeuft unter Linux nativ statt ueber eine Kompatibilitaetsschicht, was jahrelang der stehende Vorwurf war, und sie laeuft auch unter Windows 11 on ARM. Eine fertige Fassung soll noch in diesem Jahr kommen.
Wer einen lokalen Player will, der aufgeht, abspielt, gut klingt und nicht im Hintergrund Speicher frisst, hat in zwanzig Jahren Arbeit eine ordentliche Zusage. Wer ihn sich unter Linux gewuenscht hat, kann die Beta jetzt ansehen und umziehen, sobald die stabile Fassung da ist.