Winamp im Test: der Player, der eine Schreibtisch-Aera praegte

Zusammenfassung

Winamp machte aus einem Ordner voller MP3-Dateien eine Show: Skins, Visualisierungen und eine Liste, die man ueberallhin ziehen konnte. Die Marke ist zurueck, der Player wird gepflegt und bleibt erstaunlich leicht.

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Name
Winamp
Version
20260923
Preis
Kostenlos
Open Source
Proprietär
Betriebssystem
Windows
Aktualisiert
2026-10-07 21:22

Der Klang eines bestimmten Jahrzehnts

Um die Jahrhundertwende kam komprimiertes Audio und verwandelte eine private Sammlung in etwas Teilbares. Was Winamp hinzufuegte, war Theater. Eine Datei, die vorher ein Name in einem Ordner war, wurde zu einem Stueck mit einer Visualisierung, die im Takt sprang, zu einer Haut, die sich jeden Abend wechseln liess, und zu einer Liste, die man durch Ziehen baute. Es war nicht der einzige Player seiner Zeit, aber derjenige, der die Begriffe praegte: das kleine Fenster, die Balken des Equalizers, die Sammlung von Erweiterungen, mit der Leute das Programm zu etwas umbauten, das die Autoren nie vorgesehen hatten.

Ansicht

Ein Veteran, der zurueckkam

Nach langem Schweigen wurde die Marke wiederbelebt, und der Player fuer den Schreibtisch wird erneut gepflegt, mit Aktualisierungen, die ihn auf aktuellen Systemen am Laufen halten. Alte Skins und Erweiterungen laden weiterhin, eine vor zwanzig Jahren zusammengestellte Sammlung oeffnet sich also mit demselben Charakter wie damals. Er bleibt leicht in dem Sinn, der zaehlte: sofortiger Start, wenige zehn Megabyte, und keine Beschwerden auf einer Maschine, die andere Software aufgegeben hat.

Was er tut, tut er ohne Diskussion. Lokale Dateien stehen im Mittelpunkt, ein in das Fenster gezogener Ordner wird also zur Liste, der Equalizer ist eine Reihe von Schiebern statt ein Assistent, und das Fenster der Visualisierung ist weiterhin da fuer alle, die den Bildschirm in Bewegung sehen wollen. Die Nutzung ist kostenlos, und die angekuendigten Ambitionen im Bereich Streaming sind noch unterwegs statt im Programm enthalten, was man wissen sollte, bevor man einen Abodienst darin erwartet.

Zwei Dinge lohnen eine Pruefung, bevor die Nostalgie sich setzt. Das erste ist die Unterstuetzung von Formaten: die gaengigen werden verarbeitet, und das Modell der Erweiterungen nimmt noch die Codecs an, die man damals installiert hat, was zaehlt, wenn ein Teil der Sammlung in einem aelteren Behaelter liegt. Das zweite ist die Sammlungsverwaltung, die Ordner indiziert und eine Suche ueber sie hinweg erlaubt, statt jeweils ein Verzeichnis zu oeffnen. Zusammen machen beide eine Sammlung, die ein Jahrzehnt auf einer Platte lag, an einem Nachmittag wieder benutzbar.

Die Meinungen ueber die Oberflaeche werden sich nach Alter trennen. Fuer die, die es beim ersten Mal benutzt haben, ist das Layout Muskelgedaechtnis und das kleine Standardfenster eine Eigenschaft statt einer Einschraenkung. Fuer alle anderen wirkt es veraltet, und die ehrliche Aussage ist, dass das Programm das nicht verborgen hat. Die Gewohnheit umzuziehen kostet etwa eine Stunde, und die Tastenkuerzel sind gut genug dokumentiert, dass die Maus schnell optional wird.

Die Rueckkehr von Winamp sagt etwas ueber Haltbarkeit: Ein echtes Klassiker wird nicht durch Neuerungen verdraengt, sondern nur erinnert. Skins altern, die Freude an einem Takt auf dem Bildschirm nicht.

Fuer wen er wirklich gedacht ist

Die ehrliche Antwort lautet: fuer Leute mit einer lokalen Sammlung. Wenn die Musik in einem Streaming-Konto lebt, ist der Reiz vor allem historisch, und das ist in Ordnung, denn das Programm ist ein guter Weg zu hoeren, worum damals das Getue ging. Wer Ordner mit eigenen Rips, Kaeufen aus Independent-Laeden oder eigenen Aufnahmen hat, bekommt einen schnellen und unkomplizierten Weg, sie abzuspielen, und der Editor der Listen behandelt eine Warteschlange noch immer besser als viele moderne Player, die unbedingt raten wollen, was als naechstes gefaellt.

Ein praktischer Anfang: einen Ordner in das Fenster ziehen, das Ergebnis als Listendatei speichern, damit die Reihenfolge bleibt, dann ein paar Minuten in den Einstellungen verbringen und abschalten, was nicht gebraucht wird. Den Equalizer einmal fuer die tatsaechlich benutzten Kopfhoerer einstellen und dann in Ruhe lassen. Was man akzeptieren muss, ist die Tatsache, dass die versprochene Streaming-Zukunft nicht angekommen ist. Behandelt man das Programm als hervorragenden lokalen Player, enttaeuscht es nicht.

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Unterstützte Systeme: Windows