Ardour 9.8: Tonart und Tonleiter kommen dazu, und ein Ton daneben wird markiert
Zusammenfassung
Ardour 9.8 bringt Tonart und Tonleiter in diese offene digitale Audio-Workstation: Toene ausserhalb der Leiter werden in der Klavierrolle markiert und lassen sich je Spur korrigieren. Ein Absturz waehrend der Aufnahme rettet das Aufgezeichnete und kostet hoechstens fuenf Sekunden.
- Name
- Ardour
- Version
- 9.8
- Preis
- Kostenlos
- Open Source
- Open Source
- Betriebssystem
- LinuxmacOSWindows
- Webseite
- https://ardour.org/
- Aktualisiert
- 2026-10-21 12:31
Aufnehmen, schneiden, mischen und mastern in einem Fenster, unter Linux, macOS und Windows, mit offenem Quellcode. Ardour haelt diese Form seit etwa zwanzig Jahren. Fassung 9.8 bringt etwas hinzu, das das Programm nie hatte: eine Meinung dazu, welche Toene zum Stueck gehoeren.
Eine Linie vom Mitschnitt bis zum Export
Ardour teilt die Arbeit in Ansichten entlang der Stufen einer Sitzung. Die Aufnahmeansicht oeffnet mehrere Eingaenge zugleich, der Editor haelt Audio- und MIDI-Regionen, und der Mixer sammelt Regler, Panorama, Plugins und Wege auf einem Bildschirm. Alle drei teilen eine Zeitlinie, und der Wechsel unterbricht die Wiedergabe nicht.
Darunter laeuft die Verarbeitung in Gleitkommagenauigkeit, und nichts begrenzt die Zahl der Spuren, Busse, Wege oder Plugins. Offiziell heisst es, die wirkliche Decke komme vom Prozessor, vom Wandler und von der Platte. Die Dokumentation nennt auch einen Erfahrungswert: auf einer modernen Maschine laufen zwei Dutzend Spuren mit etwas Entzerrung und Verdichtung je Spur und einem Nachhall auf dem Bus gut, solange die Latenz nicht zu streng sein muss.
Fuenf Plugin-Formate werden unterstuetzt. Wer Effekte selbst schreiben will, baut sie aus den eingebauten Bausteinen zur Signalverarbeitung; wiederkehrende Arbeit geht an Lua-Skripte, und die ganze Sitzung laesst sich von aussen ueber OSC steuern.

Tonart und Tonleiter, der Kern von 9.8
Diese Fassung erschien am 23. August 2026, und die Ankuendigung markiert genau einen Punkt als Hauptneuerung: die erste Unterstuetzung von Tonart und Tonleiter.
Sie macht aus der Frage, ob ein Ton zur aktuellen Tonart gehoert, eine sichtbare Auskunft. Toene ausserhalb der Leiter werden in der Klavierrolle markiert, ein falscher Schritt faellt beim Schreiben auf. Wem die Markierung zu laut ist, schaltet sie ab; der Hersteller hat sowohl den visuellen Hinweis als auch die Korrektur der MIDI-Eingabe zu Optionen gemacht, die je Spur einzuschalten sind.
Die Zustaendigkeit fuer die Tonart ist geschichtet. Die Sitzung haelt eine Vorgabe, eine einzelne Spur darf sie ueberschreiben. Der Leitereditor haengt am Kontextmenue des Spurkopfes, und sobald Tonart und Leiter gewaehlt sind, zeichnet die Oberflaeche die Lage dieser Leiter auf dem Zwoelftonkreis. Eine Tabelle daneben setzt die Wahl durch: sie kann verbieten, weitere Toene ausserhalb der Leiter zu zeichnen, oder einen Vortrag auf einem MIDI-Keyboard auf einem von drei Wegen in die Leiter zurueckholen.
Der Hersteller nennt das eine erste Umsetzung und zaehlt drei offene Punkte auf: das Stimmungssystem ueber die gleichstufige Zwoelftonteilung hinaus erweitern, Tonartwechsel auf der Zeitlinie unterstuetzen und die Anzeige mitfuehren, und SCALA-Dateien laden, wofuer das Fundament bereits liegt. Scala-Unterstuetzung stand schon vorher auf der Funktionsseite; die Linie der Feinstimmung wird schlicht fortgesetzt.
Der Mitschnitt ueberlebt den Absturz
Ein Absturz mitten in der Aufnahme bedeutete frueher, dass die Aufnahme fort war. Fassung 9.8 hat die Rettung solide gemacht: nach einem Absturz kommt das aufgezeichnete Audio richtig zurueck, hoechstens fuenf Sekunden gehen verloren, die Regionen landen wieder an ihrem Platz, und es gilt genauso bei Schleifenaufnahme und bei Einsatzaufnahme.
Manche Formate lassen sich nicht lesen, waehrend sie noch geschrieben werden, FLAC und Broadcast-Wave darunter. Dann zieht Ardour das Geschriebene in eine neue Datei und fuellt die Angaben ein, die eine Broadcast-Wave tragen soll. Vorsichtshalber bleibt die alte halbfertige Datei liegen und wird nicht geloescht.
Regionsaufnahme und die MIDI-Werkzeuge
Die Regionsaufnahme gibt nun mindestens zwei Takte Vorzaehlzeit, angezeigt im Regionseditor, sofern dieses Fenster offen ist. Die Aufnahme beginnt mit dem Vorzaehlen, und der Regionsanfang wird danach an die richtige Stelle gelegt, was das Verschieben der Grenze von Hand erleichtert; wer Umschalt und Steuerung haelt und zieht, bewegt beide Grenzen zusammen und laesst die Laenge gleich.
Der Akkordbereich der MIDI-Werkzeuge bekam eine Option fuer Arpeggien, die einen Akkord auseinanderlegt statt ihn auf einmal zu stapeln. Die ganze Seite der MIDI-Werkzeuge wanderte in ein rollendes Fenster, und die Liste der Editoren laesst sich weit verkleinern, sodass ein schmaler Bildschirm die Zeitlinie nicht mehr verdraengt.
Ein Zeichenfehler ist ebenfalls behoben: eine Automationskurve mit einer Geraden beginnen und dann die Richtung wechseln zeichnete frueher in beide Richtungen zugleich, nun nicht mehr.
Filmmusik und Gleichlauf
Video kommt auf eine eigene Zeitlinie, der Editor zeigt eine Ansicht Bild fuer Bild, an Audio- und MIDI-Regionen gebunden, und der eingebaute Monitor richtet sich am Zeitcode aus. Aus einem fertigen Bild laesst sich der Originalton herausziehen, stumm schalten oder neu aufnehmen und dann als synchronisierte Fassung ausgeben.
Auch der lineare Zeitcode hat gewonnen: das Transportfenster meldet weiter eine Position, wenn der Zeitcode steht, die Sitzung richtet sich auf statischen Zeitcode aus, um das Warten zu kuerzen, und nach einem kurzen Aussetzer laeuft die Aufnahme weiter. Wer live gegen eine externe Uhr aufnimmt, wird diese Punkte nuetzlicher finden, als sie aussehen. Ueber mehrere Maschinen hinweg laesst sich die Arbeit mit linearem Zeitcode ebenfalls aufteilen.

Das Geld: offener Quellcode, bezahlte Pakete
Ardour steht unter der zweiten Fassung der GNU General Public License, der Quellcode ist oeffentlich, und jeder darf den vollstaendigen Code nehmen. Der Hersteller teilt den Weg dorthin in zwei: ein fertiges Paket, das nach der Installation laeuft, alle drei Systeme abdeckt und Geld kostet, oder das Selbstbauen aus dem Quellcode, das frei ist und von dem der Hersteller offen sagt, es koenne ziemlich muehsam werden, ohne Hilfe beim Bauen.
Anders gesagt: der Code ist frei, der bequeme Bau kostet. Dieses Modell haelt das Projekt seit etwa zwanzig Jahren am Leben, ohne Abonnement und ohne Buendelung, mit einer ersten Copyright-Zeile aus 2006.
Oberflaechen und Erweiterungen
Der eingebaute nichtlineare Sequenzer kann Regionen von einem Novation Launchpad oder einem Ableton Push 2 ausloesen, sodass ein Live-Auftritt keine Maus braucht. Fassung 9.8 ergaenzt die Unterstuetzung fuer das Launchkey Mk4 88, als nicht gruendlich geprueft gekennzeichnet, bringt eine MIDNAM-Beschreibung fuer das Arturia Drumbrute, behebt Initialisierung und Wiederverbindung an Mackie-Pulten und erweitert den Fadenpool von OSC um eine Methode zum Einfuegen von Abschnitten.
Auf der Plugin-Seite fuellt diese Fassung Einzelheiten bei LV2 und VST3: Zeichenkettenparameter von LV2 bekamen eine Oberflaeche, und VST3 bekam den lib64-Suchpfad unter Linux und den Netzwege unter macOS. Das sind Aenderungen tief unten, die im Alltag niemand merkt und die jeder merkt, wenn etwas klemmt.
Abwaegungen, die man vorher kennen sollte
Die Oberflaeche ist dicht und die Menues sind lang, ein erster Start verliert leicht den Faden. Mixer und Editor ordnen sich ueber Kontextmenues und Ziehen, und wer aus einem anderen Programm kommt, lernt das Muskelgedaechtnis neu. Handbuch, Einstieg und Videos gibt es, der Weg ist also klar, er kostet nur Zeit.
Ausserdem bleibt die Komplexitaet beim Nutzer: kein vorgegebener Arbeitsablauf, keine versteckten Optionen, keine Entscheidung an deiner Stelle. Wer das mag, nennt es durchsichtig, wer nicht, nennt es schwer zu lernen, und beide beschreiben dasselbe.
Das Interesse an Ardour 9.8 sammelt sich auf einem Punkt: Tonart und Tonleiter als sichtbare Bedingung, mit einem Ton daneben, der beim Schreiben aufleuchtet und der Entscheidung zur Korrektur bei jeder Spur. Absturzrettung und Regionsaufnahme sind die praktischen Verbesserungen, Filmmusik, Plugins und Steuergeraete die gewohnte Politur. Fuer eine Workstation ohne Spurendecke, deren Quellcode sich aendern laesst, bleibt es eine der wenigen Optionen, die das noch erlaubt.