Immersive Translate legt die Übersetzung unter den Text, statt ihn zu ersetzen
Zusammenfassung
Eine Browser-Erweiterung, die aus einer fremdsprachigen Seite zwei Ebenen macht: der Originalabsatz bleibt stehen, die Übersetzung rückt darunter. PDF, Untertitel und Besprechungen sind mit abgedeckt, und die kostenlose Stufe reicht für privates Lesen.
Empfehlen- Name
- Immersive Translate
- Version
- 20260917
- Open Source
- Proprietär
- Betriebssystem
- Web
- Webseite
- https://immersivetranslate.com/
- Aktualisiert
- 2026-10-06 20:47
Zwei Ebenen statt Ersetzung

Die im Browser eingebaute Übersetzung arbeitet meist durch Ersetzen: Knopf drücken, fremder Text verschwindet, Übersetzung nimmt seinen Platz ein. Die Erweiterung Immersive Translate macht es anders. Jeder Absatz bleibt stehen, wo er stand, und die Übersetzung wird darunter eingefügt. Die Seite hat danach zwei Ebenen, Original oben, Zielsprache unten. Die offizielle Bezeichnung lautet KI-gestützte zweisprachige Übersetzungserweiterung für Webseiten, und das Wort zweisprachig beschreibt schon den ganzen Entwurf.
Die Dokumentation beschreibt den Ablauf als Erkennung des Hauptinhalts und anschließende Übersetzung Absatz für Absatz. Kleinste Einheit ist der Absatz, nicht der Satz. Der Grund ist der Zusammenhang: Ein einzelner Satz aus einer Seite gerissen verliert leicht den Faden, ein Absatz behält genug vom Gedankengang, dass man die Übersetzung Zeile für Zeile gegen das Original prüfen kann.
Dokumente, Untertitel und Besprechungen
Webseiten sind nur der Einstieg. Die Dokumentübersetzung deckt PDF, ePub, HTML, TXT, Docx, Markdown und Untertiteldateien ab und behält das ursprüngliche Layout, statt alles zu reinem Text zu plätten. Das Ergebnis ist entweder die zweisprachige Fassung oder allein die Übersetzung. Ein gescanntes PDF läuft zuerst durch OCR und wird danach übersetzt; bei Fachaufsätzen und Verträgen ist das der einzige brauchbare Weg, weil beide meist als Abbild der Seite ankommen.

Video ist der zweite Bereich. Die Erweiterung erzeugt zweisprachige Untertitel in Echtzeit für Onlinevideo. Die offizielle Startseite nennt mehr als 100 Plattformen, die Dokumentationsseite spricht von über 50 großen ausländischen Videoportalen; YouTube und Netflix werden an beiden Stellen genannt. Auch eine Quelle ohne Untertitelspur lässt sich übersetzen, weil der Text aus dem Ton erkannt und nicht aus Untertiteln gelesen wird. Besprechungen sind ebenfalls abgedeckt, Zoom, Google Meet und Microsoft Teams stehen auf der Liste. Bilder und Comics laufen über OCR plus Bildreparatur, damit der übersetzte Text im Bild sitzt, ohne die Umgebung zu zerstören.
Die kleinen Funktionen, die den Blick ändern
Am häufigsten begegnet einem die Übersetzung markierter Wörter. Ein Wort oder eine Wendung markieren, und die Übersetzung erscheint samt Aussprache, ohne Seitenwechsel und ohne Tab, den man danach schließen muss. Das Übersetzen per Zeiger ist ein anderer Gedanke und für genaues Lesen gedacht: den Zeiger auf einen Absatz setzen, die Tastenkombination drücken, und die Übersetzung dieses Absatzes erscheint oder verschwindet. Erst das Original lesen, dann nachsehen.
Die Übersetzung im Eingabefeld ist eher für den Moment gedacht. In ein beliebiges Textfeld tippen, dreimal die Leertaste drücken, und das Geschriebene steht in der Zielsprache da. Voreingestellt ist Englisch, das lässt sich ändern. Nützlich ist es beim Suchen in einer Sprache, die man nicht spricht, und beim Formulieren von Anweisungen an ein KI-Modell, wenn die eigene Wortwahl unsicher ist.

Motoren und Sprachen
Worin sich solche Werkzeuge wirklich unterscheiden, ist die Liste der Motoren. Die Startseite nennt mehr als 20 eingebaute KI-Übersetzungsmotoren und führt ChatGPT, DeepL, Deepseek und Gemini auf. Die Dokumentationsseite beschreibt dagegen Unterstützung für über 30 Übersetzungsdienste und listet DeepL, OpenAI, Microsoft Translator, Google Translate sowie Tencent Translate. Die beiden Zahlen stimmen nicht überein, zeigen aber in dieselbe Richtung: Es gibt eine lange Auswahl, und für die Dienste, die es erlauben, lässt sich ein eigener API-Schlüssel eintragen. Bei den Sprachen nennt die offizielle Angabe über 100 Sprachen im Wechsel.
Was die kostenlose Stufe hergibt
Die Preisseite sagt, Immersive Translate lasse sich vollständig kostenlos nutzen, und dieses Kontingent sei für gewöhnliches privates Lesen und Lernen gedacht. Wer nichts zahlt, bekommt trotzdem brauchbare Ergebnisse, aber für Anfragen pro Tag gilt eine vernünftige Obergrenze, und eine Anmeldung hebt sie an. Wer professionelle Dienste wie DeepL, OpenAI oder Claude braucht, findet daneben ein Kontingent von bis zu 50 Millionen Token im Monat. Zahlende Mitglieder sind von der Regel nicht betroffen und dürfen häufiger anfragen.
Ein Hinweis zum Anwendungsfall. Für eigene Recherche, Fachaufsätze und ausländische Nachrichten reicht das kostenlose Kontingent in der Regel. Wer es im Betrieb oder in gewerblichen Projekten dauerhaft einsetzen will, sollte vor einem Abo prüfen, ob Lizenzbedingungen und Quotenpolitik die geplante Nutzung abdecken.

Wo es läuft, und die Frage nach dem Quellcode
Es läuft in Chrome, Edge, Safari und Firefox. Offizielle Wege sind die Erweiterungsgeschäfte der Browser plus der Apple App Store; die Apps für iOS und Android bieten dieselbe Erfahrung auf dem Telefon.
Eines gehört klar gesagt: Immersive Translate ist keine quelloffene Software. Das offizielle GitHub-Repository dient dazu, Release-Fassungen zu veröffentlichen und Rückmeldungen zu sammeln; der Quellcode liegt dort nicht, und das frühere Open-Source-Projekt wurde im Januar 2023 archiviert. Das ist kein Mangel, gehört aber in die Entscheidung, weil das Produkt damit davon abhängt, dass der Anbieter es weiter betreibt. Zum Datenschutz sagt der Anbieter zu, dass übersetzte Inhalte nicht gespeichert, nicht zum Training von Modellen verwendet und Anfragen durchgehend verschlüsselt werden; daneben stehen Zertifizierungen nach ISO 27001 und ISO 27701.
Zum Schluss eine praktische Erinnerung: Auch flüssige Maschinenausgabe ersetzt kein menschliches Gegenlesen. Bei Verträgen und juristischen Dokumenten ist die Übersetzung eine Hilfe zum Verstehen, maßgeblich bleibt das Original.
Der Wert einer Übersetzungserweiterung zeigt sich selten darin, wie gut sie übersetzt. Er zeigt sich darin, ob man das Original noch lesen will. Steht die Übersetzung neben dem Text, wird man von ihr nicht mehr geführt; verändert wird am Ende eine Lesegewohnheit, nicht ein Satz.