Eine Arbeit setzen, ohne LaTeX zu schreiben: Compositor macht die gesetzte Seite zum Dokument

Zusammenfassung

Ein LaTeX-Editor nach dem Prinzip was man sieht ist was man schreibt: Die Seite wird bei jedem Tastendruck neu gesetzt, Formeln entstehen aus Bausteinen, und Dokumente bleiben reine Textdateien.

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Name
Compositor
Version
0.9.1
Preis
Kostenlos
Open Source
Proprietär
Betriebssystem
WindowsmacOS
Aktualisiert
2026-10-09 21:33

Compositor nimmt das fertig gesetzte Ergebnis als das Papier, auf dem geschrieben wird. Es will die teuerste Schleife im wissenschaftlichen Schreiben aufloesen.

In der wissenschaftlichen und technischen Fachpublikation hat LaTeX in der Satzqualitaet kaum einen Gegner, doch die Arbeitsweise hat sich in dreissig Jahren kaum bewegt: Quelle im Texteditor schreiben, uebersetzen, in ein anderes Fenster zum Ansehen wechseln, zurueckgehen und aendern. Je laenger das Dokument, desto langsamer die Uebersetzung und desto haeufiger das Warten. Ein Satzsystem auf TeX Basis sollte die Aufmerksamkeit beim Inhalt lassen, und doch zieht der Ablauf einen immer wieder zum Werkzeug zurueck.

Compositor ist ein LaTeX Editor nach dem Prinzip was man sieht ist was man schreibt, gebaut von Karl Traunmueller, einem unabhaengigen Entwickler in Oesterreich. Die zentrale Aenderung passt in einen Satz: Das Fenster, das frueher nur das Ergebnis zeigte, ist jetzt der Ort, an dem geschrieben wird.

Tippen ist der Satz

In Compositor blickt man nicht auf Quelltext, sondern auf eine bereits gesetzte Seite. Der Schreibzeiger steht irgendwo, und dort wird geaendert; jeder Tastendruck setzt das Dokument neu und das Ergebnis erscheint sofort. Offiziell heisst das Zero Turnaround, und es bedeutet kein Uebersetzen, Warten, Pruefen, Wiederholen mehr.

Das Gefuehl unterscheidet sich nicht von einer gewoehnlichen Textverarbeitung, doch darunter arbeitet weiter LaTeX und die Ausgabe bleibt Satz auf Fachniveau. Was wegfaellt, ist das Warten und das Fensterwechseln, nicht die Qualitaet.

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Wo genaue Kontrolle noetig ist, liegt die Quelle daneben

Das Ergebnis zu sehen heisst nicht, die Kontrolle abzugeben. Manche Stellen brauchen immer den direkten Griff in die Quelle: Befehle aus einem seltenen Paket oder eine Umgebung, fuer die es noch keine grafische Flaeche gibt. Compositor haelt deshalb im selben Fenster unten einen Quelltextbereich bereit und zeigt den LaTeX Code fuer den Bereich, in dem der Schreibzeiger steht, zum direkten Bearbeiten.

Dieser Bereich ist keine blosse Textbox. Er hebt Syntax hervor, bietet beim Tippen eines Befehls eine Liste zur Ergaenzung und markiert Klammern passend. Er findet Text, springt zu einer Zeile und kann Leerzeichen und Tabulatoren sichtbar machen, damit falsche Ausrichtung auffaellt. Warnungen und Fehler werden am Rand der Bildlaufleiste markiert, ein Klick fuehrt zum Detail.

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Formeln brauchen keine handgeschriebenen Makros mehr

Mathematik ist der Teil von LaTeX, der am haeufigsten gebraucht wird und Neue am haertesten blockiert. Compositor bringt einen grafischen Formeleditor mit, der eine Formel in anklickbare Bausteine zerlegt, sodass man die Struktur aus einer Kategorie waehlt und sie zusammensetzt, ohne die Verschachtelung der Befehle zu kennen.

Bereits geschriebene Formeln lassen sich genauso nachbearbeiten: ein Doppelklick oeffnet den Editor, ein Teil wird ausgewaehlt, ersetzt oder geloescht, und der LaTeX Code darunter zieht mit. Der Formeleditor kam mit Version 0.9, und 0.9.1 ergaenzte das kleine Detail, nach dem Einfuegen einer Vorlage den ersten Platzhalter zu fokussieren. Er wird weiter vervollstaendigt.

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Einrichten und schreiben, den Rest nachholen

Eine LaTeX Umgebung einzurichten war immer eine Huerde fuer sich: eine Verteilung von mehreren hundert Megabyte, danach die Pflege der Paketaktualisierungen von Hand. Compositor packt eine Grundverteilung auf TeXLive Basis direkt in das Programm, sodass Schreiben sofort nach der Einrichtung beginnt, ohne weitere Konfiguration. Verlangt ein Dokument ein Paket, das lokal fehlt, holt das Programm es von CTAN und richtet es ohne Handgriff ein.

Dokumente werden immer als reiner Text gelesen und geschrieben, voll austauschbar mit vorhandener LaTeX Arbeit, ohne eigenes Projektformat, sodass der Wechsel zu einem anderen Werkzeug jederzeit moeglich bleibt. Dateien bleiben auf dem Rechner, das Programm laeuft in einer Sandbox und fragt nur nach dem Noetigsten. Bei langen Dokumenten listet eine Gliederungsflaeche links die Kapitelstruktur vollstaendig und springt direkt zu einem Abschnitt.

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Wo das Produkt gerade steht

Compositor wird als kostenlose Vorschau angeboten. Die Fassungen fuer macOS und Windows sind funktional gleich und teilen einen Kern, und der Entwickler sagt klar, dass in dieser Phase nichts eingeschraenkt ist. Verlangt werden macOS 12.0 oder neuer und Windows 10 oder neuer.

Die aktuelle Version ist 0.9.1, veroeffentlicht am 6. Oktober 2026. Gegenueber dem vorigen Stand stieg die Mindestanforderung auf macOS 12.0. Diese Fassung hat auch den Formeleditor geglaettet und einen gelegentlichen Fehler behoben, den eine beim Setzen nicht freigegebene Dateikennung verursachte. Ab dieser Version kann das Programm selbst nach Aktualisierungen suchen und sie einrichten.

Zum Geld aeussert sich der Entwickler deutlich: Es wird nichts berechnet, bevor Compositor so weit nutzbar ist, dass eine studierende Person damit eine Abschlussarbeit fertigstellen kann. Die vollstaendige Planung wird oeffentlich auf GitHub verfolgt, doch jenes Lager verzeichnet nur Aufgaben und Plaene und enthaelt den Quelltext nicht.

Der Wert von LaTeX liegt in dem, was es setzt, nicht darin, wie muehsam das Schreiben ist. Compositor versucht, den ersten Teil zu behalten und den zweiten zu ersparen.

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Unterstützte Systeme: Windows macOS