ChatDev: ein virtuelles Softwareunternehmen, in dem jede Rolle ein Modell spielt
Zusammenfassung
Eine offene Plattform, die mehrere Sprachmodelle zu einem kleinen Softwareunternehmen ordnet: Anforderungen, Architektur, Code, Prüfung, Test und Dokumentation bekommen je eine Rolle und streiten sich zu einem lauffähigen Programm. Die zweite Generation macht dieselbe Maschinerie zu einem bildlichen Baukasten für Abläufe ohne Programmierung.
Empfehlen- Name
- ChatDev
- Version
- 2.2
- Open Source
- Open Source
- Betriebssystem
- WindowsmacOSLinux
- Webseite
- https://github.com/OpenBMB/ChatDev
- Aktualisiert
- 2026-10-06 14:23
Wer nie Software ausgeliefert hat, hält das Tippen von Code für die schwierige Stelle. Wer es getan hat, weiß, dass das Tippen ein Schritt unter vielen ist. Vor der ersten Zeile sind Anforderungen zu klären und technische Entscheidungen zu treffen. Danach muss der Code entfehlt werden, Tests kommen hinzu, Anleitungen werden geschrieben, und erst dann gibt es etwas, das ein anderer benutzen kann. Allein dauert diese Folge Tage oder Wochen, und die meiste Zeit geht für die Schritte drauf, die nicht Code sind.
ChatDev ersetzt die Arbeiter auf dieser Linie durch Modelle – nicht durch ein Modell, das alles tut, sondern durch ein kleines Unternehmen, in dem jedes Mitglied eine Rolle hat. Gebaut von einer Forschungsgruppe einer Universität zusammen mit einem Modellunternehmen, veröffentlicht als offenes Projekt. Man beschreibt, was man will, die Mitglieder der virtuellen Firma nehmen ihre Aufträge an, und zurück kommt ein Programm, das läuft.

Schreibtische und Pflichten für alle
Die Metapher ist ein echtes Softwareunternehmen, und sie wird eng geführt: eine Leitung, eine Produktrolle, eine Architekturrolle, Programmierende, Prüfende, Testende, eine Rolle für die Dokumentation. Niemand arbeitet allein. Die Zusammenarbeit läuft über Gesprächsrunden, die Besprechungen ähneln. Die Produktrolle schlägt eine Anforderung vor, die Architekturrolle beurteilt die technische Machbarkeit, die Programmierenden setzen um, die Prüfenden lesen den Code und schlagen Änderungen vor, und die Testenden führen das Programm tatsächlich aus und tragen den Fehler für eine weitere Runde zurück.
Zwei Details verhindern, dass diese Besprechungen Theater werden. In der Prüfung sind die Rollen absichtlich vertauscht: Wer kritisiert, muss das genaue Stück Code benennen, das geändert werden soll, was eine Menge selbstsicheres Geschwätz entfernt. Und ein Versionsmechanismus sorgt dafür, dass spätere Stufen immer nur die aktuelle Quelle sehen, damit das Team keine Runden damit verbringt, bereits ersetzten Code zu reparieren.

Ein Satz hinein, Code und Unterlagen heraus
Die Benutzung ist bewusst schlicht: die Software in gewöhnlicher Sprache beschreiben, dem Projekt einen Namen geben, und das Team beginnt. Anforderungsanalyse, Oberflächenentwurf, Umsetzung, Test und Dokumentation sind abgedeckt, und am Ende kommt keine lose Sammlung von Dateien, sondern ein Projekt mit Anleitung zum Starten und einem Handbuch.
Frühe Zahlen des Teams geben ein Gefühl für die Größenordnung: Eine kleine Anwendung mittlerer Komplexität brauchte im Schnitt unter zehn Minuten, und die Modellaufrufe kosteten den Gegenwert weniger Einheiten der Landeswährung. Diese Werte stammen aus einer idealen Umgebung, und echte Ergebnisse schwanken mit der Klarheit der Beschreibung und der Stärke des verwendeten Modells. Je genauer der Auftrag formuliert ist, desto näher liegt das Ergebnis an der Erwartung.
Von Software zu allem
Das Projekt blieb nicht im Szenario der Softwarefirma. Die zweite Generation, Anfang 2026 unter dem Codenamen DevAll veröffentlicht, erweiterte die Grenze erheblich: eine Umgebung ohne Programmierung, in der eine bildliche Fläche und gezogene Verbindungen genügen, um einen gemeinsamen Ablauf zu bauen. Datenvisualisierung, dreidimensionales Modellieren, gründliche Recherche, Erstellung von Inhalten – alles lässt sich zu einer Folge anordnen, die von selbst läuft. Vorlagen lassen sich wie Bausteine zusammensetzen, und die Schicht darunter steht allen offen, die mit Konfiguration oder Code anpassen wollen.
Die Plattform trennt Oberfläche und Hintergrund, zeichnet den Ablauf als Graphen und erlaubt, an jedem wichtigen Knoten einen menschlichen Prüfschritt einzufügen, sodass die Automatisierung anhält und fragt, wenn ein Urteil nötig ist. Die Quelle ist unter einer freizügigen Lizenz offen, und bis Mitte 2026 hat das Projekt mehr als vierunddreißigtausend Beobachtende gesammelt. Die Schnittstelle zum Modell bleibt zu gängigen Diensten kompatibel, ein eigener Schlüssel genügt zum Anfang.
Wer jetzt einsteigen sollte
In der heutigen Reife liegt die Stärke bei kleinen Werkzeugen und der Prüfung von Prototypen, also bei Projekten mit klarem Ziel, wo eine vorbeiziehende Idee ungleich schneller zu etwas Lauffähigem wird als von Hand. Ebenso geeignet ist es für Studierende und Entwickelnde, die untersuchen wollen, wie Agenten zusammenarbeiten, mit der virtuellen Firma als Labor, um Gruppenverhalten zu beobachten. Für ein großes, verflochtenes System braucht das Ergebnis weiterhin eine erfahrene Entwicklerin, die es weiterführt; es als schnellen Anfang zu behandeln und nicht als Ersatz für das Ende, ist die praktischere Haltung.
Was es verändert, ist kleiner als die Werbung behauptet und größer, als es klingt: Der erste Entwurf eines Programms muss nicht mehr von einer Person allein geschrieben werden. Eine Reihe von Rollen mit engen Pflichten bringt etwas Unvollkommenes, aber Wirkliches hervor, und über die Einzelheiten lässt sich danach streiten.