Proton Mail im Test: Post, die nicht einmal der Anbieter lesen kann

Zusammenfassung

Proton Mail verschluesselt den Inhalt schon auf dem Geraet, der Anbieter haelt nur Geheimtext. Schweizer Recht, keine Telefonnummer noetig, eine brauchbare kostenlose Stufe und Passwortpost fuer Aussenstehende.

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Name
Proton Mail
Version
20260923
Preis
Kostenlos
Open Source
Proprietär
Betriebssystem
WebAndroidiOS
Aktualisiert
2026-10-07 22:04

Zwei Arten von Postfach

Ein gewoehnliches Postfach speichert die Korrespondenz in einer Form, die der Betreiber oeffnen kann. Das ist kein Skandal, sondern die Bauart: der Server muss die Nachricht indizieren, pruefen und an eine Weboberflaeche ausliefern. Proton Mail aendert diese Anordnung. Die Nachricht wird auf dem Geraet verschluesselt, bevor sie es verlaesst, der Schluessel bleibt bei der Person, und auf dem Server liegt ein Block, den das Unternehmen selbst nicht entschluesseln kann. Kommt eine behordliche Anfrage, lautet die ehrliche Antwort, es gebe nichts Lesbares abzugeben, und die Transparenzberichte sagen das in Zahlen.

Der Gerichtsstand ist Teil des Angebots und nicht Zierde. Schweizer Datenschutzrecht und die Entfernung des Landes zu den grossen Nachrichtenbuendnissen beeinflussen, wie eine Anfrage behandelt wird, und Proton veroeffentlicht, was eingeht. Fuer Journalisten, Anwaelte, Quellen und alle, deren Post eine Last statt einer Bequemlichkeit ist, ist diese Mischung der Grund zu wechseln.

Ansicht

Kein Werkzeug fuer Asketen

Die uebliche Sorge bei verschluesselter Post ist, dass sie sich wie ein Terminal anfuehlt. Diese hier nicht. Die Oberflaeche ist ruhig und zeitgemaess, Web und Mobil sind dasselbe Produkt und kein Nachtrag, und Kalender sowie Ablage haengen unter einem Konto, sodass ein einziger Abschluss die ganze Sammlung einrichtet. Zwei Funktionen lohnen sich zuerst: die befristete Nachricht setzt einen Wecker auf eine Mail, und die Passwortpost erreicht jemanden, der den Dienst gar nicht nutzt, indem man das Passwort ueber einen anderen Weg mitteilt.

Die kostenlose Stufe ist wirklich brauchbar: Platz fuer gewoehnliche Korrespondenz, eigene Domain erst in bezahlten Stufen, dazu Aliasse fuer jene Adressen, die man lieber nicht herausgibt. Fuer die Anmeldung ist keine Telefonnummer noetig, was wichtiger ist als es klingt, denn die Nummer ist meist der Teil, der ein sonst namenloses Konto wieder einer Person zuordnet.

Ansicht

Die Haltung ist schlicht und hart: der Brief gehoert dem, der ihn geschrieben hat. In einer Zeit, in der Datenschutz als Aufpreis zurueckverkauft wird, macht hier noch jemand Verschluesselung zur Vorgabe.

Wo die Verschluesselung endet

Ein ehrlicher Vorbehalt. Der Schutz von Ende zu Ende gilt zwischen Nutzern des Dienstes. Post an eine gewoehnliche Adresse reist nur mit Transportverschluesselung, die die Strecke schuetzt und nicht das Postfach am anderen Ende. Auch die Metadaten, also wer wann wem geschrieben hat, bleiben fuer den Server sichtbar, selbst wenn der Inhalt es nicht ist. Nichts davon ist ein Fehler allein dieses Anbieters, doch wer es falsch annimmt, entscheidet schlechter als jemand, der die Grenze kennt.

Der zweite Vorbehalt betrifft die Rettung. Sind Passwort und Wiederherstellungssatz verloren, ist das Postfach verloren, weil der Betreiber nicht zurueckholen kann, was er nicht lesen kann. Das ist dieselbe Eigenschaft, die den Dienst lohnend macht, nur von der anderen Seite gesehen. Den Satz daher offline auf Papier aufbewahren, an dem Ort, an dem auch der Pass liegen wuerde.

So gelingt der Umzug ohne Reibung

Zuerst den heiklen Verkehr uebertragen und nicht alles: Vertraege, Ausweisdokumente, Schriftwechsel mit Anwalt oder Buchhaltung. Die alte Adresse einige Monate als Weiterleitung behalten und den wichtigen Kontakten einmal in klaren Worten sagen, dass sich die Adresse geaendert hat. Vor dem Import die Zwei Faktor Anmeldung im neuen Konto einschalten und den Wiederherstellungssatz am selben Tag notieren.

Fuer die bezahlte Nutzung ist die Rechnung einfach: wenn das Postfach der Ort ist, an dem Arbeit ankommt, kostet ein Jahr weniger als eine Stunde Zeit, und Kalender sowie Platz kommen mit. Vorher einen Monat lang echte Post in der kostenlosen Stufe fahren, denn ein Postfach wird in der zehnten Woche beurteilt und nicht am ersten Tag.

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