EditPlus: ein Texteditor, der nicht schwerer werden will

Zusammenfassung

Ein seit Jahren gepflegter Windows-Editor, der in einer Sekunde offen ist und dennoch Syntaxhervorhebung, Spaltenauswahl, Ersetzen per regulärem Ausdruck, Suche über mehrere Dateien und direktes Bearbeiten entfernter Dateien bietet, ohne zur kompletten Entwicklungsumgebung zu werden.

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Name
EditPlus
Version
6.1
Preis
Kostenpflichtig
Open Source
Proprietär
Betriebssystem
Windows
Aktualisiert
2026-10-20 22:00

Manche Werkzeuge werden besser, indem sie Funktionen sammeln. Dieses wurde vor allem dadurch besser, dass es fünfundzwanzig Jahre lang dieselbe Größe behielt, und für einen Texteditor ist das selbst eine Funktion.

Die Lücke zwischen Notizblock und Entwicklungsumgebung

Der mitgelieferte Editor unter Windows wird unangenehm, sobald eine Datei über ein paar Megabyte hinauswächst, und die leistungsfähigeren offenen Editoren haben inzwischen so viele Leisten und Erweiterungen angesammelt, dass das Öffnen wie der Start eines kleinen Projekts wirkt. EditPlus besetzt den Platz dazwischen, und zwar mit Absicht. Es ist innerhalb einer Sekunde da, hebt Syntax hervor, klappt Codeblöcke ein, hält mehrere Dokumente in Reitern, wählt Text spaltenweise statt zeilenweise aus, ersetzt über reguläre Ausdrücke und durchsucht einen ganzen Ordner auf einmal. Nichts davon muss vor dem ersten sinnvollen Schritt eingerichtet werden.

Geschrieben wurde es von einem Entwickler in Südkorea, die erste Fassung erschien 1998, und es wird bis heute gepflegt. Die Oberfläche hat sich in all den Jahren kaum bewegt: native Windows-Steuerelemente, eine Menüleiste, eine Werkzeugleiste, kein Versuch einer modernen Bildsprache. Wer von einer frisch gestalteten Anwendung kommt, findet es altmodisch. Wer es ein Jahrzehnt benutzt hat, findet darin sein Muskelgedächtnis wieder, und bei einem Werkzeug, das man vierzig Mal am Tag öffnet, ist Muskelgedächtnis mehr wert als ein neuer Anstrich.

EditPlus beim Bearbeiten einer Quelldatei mit Syntaxhervorhebung

Was es für Code tut und was es bewusst lässt

Es ist keine integrierte Entwicklungsumgebung und hat auch nicht den Ehrgeiz, eine zu werden. Es gibt kein Projektmodell, keine Vervollständigung, die Typen versteht, keine Anbindung an Versionsverwaltungen. Das Prinzip ist schlichter: Wenn sich eine Sprache hervorheben lässt, lässt sie sich hier bearbeiten. Für die verbreiteten kompilierten und interpretierten Sprachen liegen Definitionen bei, weitere lassen sich als Vorlage selbst schreiben. Wer eine Zeile in einer Konfigurationsdatei ändern, ein Skript reparieren oder ein Stück Auszeichnung anfassen will, für den ist das Fehlen eines Projektsystems der Vorteil und nicht der Mangel.

Zum mehr als einem Betrachter wird es durch das eigene Werkzeugmenü. Ein Compiler, ein Formatierer, eine externe Prüfung oder ein beliebiges Kommandozeilenprogramm lässt sich auf eine Tastenkombination legen, wobei der aktuelle Dateiname als Argument übergeben wird. Damit wird der Editor zu einer dünnen Hülle um die eigene Werkzeugkette, ohne deren Vorstellungen darüber zu übernehmen, wie ein Projekt auszusehen hat.

Suchen und Ersetzen ist der eigentliche Grund

Die meisten Editoren behandeln die Suche als eine Funktion unter vielen. Hier steht sie näher am Zentrum des Produkts. Eine Anfrage läuft über einen ganzen Verzeichnisbaum, gleicht mit regulären Ausdrücken ab und sammelt jeden Treffer in einem eigenen Fenster, in dem jede Zeile anklickbar ist. Wer einen Nachmittag damit verbringt, eine Zeichenkette in einem Haufen Protokolldateien oder Konfigurationsschnipseln zu jagen, für den ist dieses Fenster mehr wert als alle anderen Funktionen zusammen. Es ist außerdem spürbar schneller als die entsprechende Suche in schwereren Editoren, was zählt, wenn im Verzeichnis Zehntausende kleiner Dateien liegen.

Dateien bearbeiten, die auf einem Server liegen

Entfernte Dateien lassen sich direkt über die unterstützten Dateiübertragungsprotokolle öffnen, und das Speichern lädt die Änderung sofort hoch. Für die Routine, auf einer laufenden Maschine einen Konfigurationswert oder eine Vorlage anzupassen, entfällt damit der ganze Kreislauf aus Abholen, Bearbeiten und erneut Hochladen, und mit ihm die Fehlerklasse, die aus zwei Fassungen derselben Datei entsteht. Die Verbindung wird je Server einmal eingerichtet und verhält sich danach im Dateibrowser wie ein lokaler Ordner.

Für wen es heute noch passt

Das Programm ist kommerziell, mit einer Testphase und anschließender Registrierungspflicht, und es läuft nur unter Windows. Das verkleinert die Zielgruppe, aber die, die bleibt, bleibt aus gutem Grund. Es passt zu Menschen, deren Arbeit darin besteht, eine Datei zu öffnen, ein paar Zeilen zu ändern, etwas zu suchen, zu speichern und zu schließen, einige Dutzend Male am Tag. Wenn das Öffnen eines auf Webtechnik gebauten Editors bedeutet, fünf Sekunden auf einen Startbildschirm zu schauen, ist der Unterschied nicht subtil. Diese Art von Geschwindigkeit ist kein Messwert, sie verändert, wie bereitwillig man das Werkzeug überhaupt öffnet.

EditPlus hat nie versucht, der fähigste Editor überhaupt zu sein. Es versucht, derjenige zu sein, der schon offen ist, bevor man sich entschieden hat, und nach einem Vierteljahrhundert trägt diese Position noch.

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Unterstützte Systeme: Windows